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EPDM- oder PTFE-Sitze für Absperrklappen: Auswahlleitfaden

In Wasserversorgung, Abwasserbehandlung und vielen industriellen Wassersystemen werden Absperrklappen häufig zum Absperren, für Auf-/Zu-Betrieb und zur Durchflussregelung eingesetzt. Innerhalb der Absperrklappenkonstruktion spielt die Wahl des Sitzwerkstoffs eine entscheidende Rolle für Dichtzuverlässigkeit, Lebensdauer und langfristige Betriebsstabilität.

EPDM und PTFE sind zwei der am häufigsten eingesetzten Sitzwerkstoffe. Die Auswahl zwischen beiden ist keine Frage, welcher Werkstoff grundsätzlich „besser“ ist, sondern welcher die konkreten Anforderungen der Anwendung erfüllt, einschließlich Dichtverhalten, chemischer Verträglichkeit und Stabilität unter tatsächlichen Temperatur- und Druckbedingungen.

Für einen breiteren Werkstoffvergleich über diese beiden Optionen hinaus siehe unseren Vergleich von EPDM-, NBR-, PTFE- und Viton-Sitzen.

Was ist ein EPDM-Sitz?

Ein EPDM-Sitz ist ein Gummidichtelement, das an der Innenfläche des Absperrklappengehäuses installiert ist. Als hochelastischer Werkstoff nutzt EPDM beim Schließen der Scheibe elastische Kompression und Rückstellung, um eine zuverlässige Abdichtung am Scheibenrand zu bilden. Diese Elastizität ermöglicht es EPDM-Sitzen, geringe Maßabweichungen auszugleichen und unter typischen Wasserbedingungen stabile Dichtleistung zu gewährleisten.

Was ist ein PTFE-Sitz?

Ein PTFE-Sitz besteht aus Polytetrafluorethylen (PTFE) und wird als halbstarrer Dichtwerkstoff eingestuft. Im Gegensatz zu Gummi besitzt PTFE nur sehr geringe Elastizität. Beim Schließen der Absperrklappe wird die Abdichtung vor allem durch die Qualität des Flächenkontakts zwischen Scheibenrand und Sitz erreicht.

PTFE bietet sehr hohe chemische Stabilität und einen sehr niedrigen Reibungskoeffizienten. Dadurch eignet es sich gut für Anwendungen mit chemischen Zusätzen oder dort, wo hohe Medienreinheit und chemische Beständigkeit erforderlich sind.

EPDM-VS-PTFE

Was bedeuten diese Unterschiede in der Praxis?

1. Montagetoleranz und Fertigungspräzision

EPDM-Sitze

  • Können geringe Maßabweichungen zwischen Scheibe und Gehäuse tolerieren
  • Geringere Anforderungen an Konzentrizität und Rundheit
  • Gut geeignet für Armaturen großer Nennweite und Wassersysteme mit komplexen oder weniger kontrollierten Einbaubedingungen vor Ort

PTFE-Sitze

  • Empfindlicher gegenüber Oberflächengüte und Rundheit des Scheibenrands
  • Unzureichende Montagepräzision kann zu lokaler Leckage führen
  • Besser geeignet für Projekte mit klar definierten Betriebsbedingungen und stabilen, gut kontrollierten Fertigungsprozessen

2. Betätigungsmoment und Bedienverhalten

EPDM-Sitze

  • Höherer Reibungskoeffizient
  • Das Betätigungsmoment steigt mit zunehmender Armaturengröße deutlich
  • Bei größeren Nennweiten sind häufig Getriebe oder Antriebe erforderlich

PTFE-Sitze

  • Sehr niedriger Reibungskoeffizient
  • Ruhigeres und leichteres Öffnen und Schließen
  • Günstiger für Antriebsauswahl und Drehmomentkontrolle

3. Langfristige Dichtstabilität im Betrieb

EPDM-Sitze

  • Empfindlich gegenüber Temperatur, Wasserqualität und Ozoneinwirkung
  • Kann im Langzeitbetrieb verhärten, mit reduzierter elastischer Rückstellung
  • Dichtungsversagen hängt typischerweise mit Werkstoffalterung zusammen, nicht mit plötzlichem Schaden

PTFE-Sitze

  • Praktisch alterungsbeständig und nicht absorbierend
  • Sehr gute langfristige chemische Stabilität
  • Dichtungsversagen hängt häufiger mit Verschleiß oder Montageabweichungen zusammen als mit Werkstoffabbau

Temperatur- und Druckgrenzen in Wasseranwendungen

In Absperrklappe -Wasseranwendungen nutzen EPDM-Sitze vor allem ihre elastischen Eigenschaften, um Temperatur- und Druckänderungen auszugleichen, während PTFE-Sitze auf Werkstoffstabilität und präzisen strukturellen Kontakt angewiesen sind, um höhere oder breitere Temperatur- und Druckbereiche zu bewältigen.

PTFE vs EPDM butterfly-valve

Leistungsaspekt

EPDM

PTFE

Temperaturgrenzen

Dauerbetrieb: −30 °C bis +120 °C Kurzzeitig: bis +140 °C

Dauerbetrieb: −200 °C bis +200 °C Kurzzeitig: bis +260 °C

Wichtige Temperaturhinweise

Oberhalb von +120 °C beschleunigt sich die thermische Alterung, was zu allmählicher Verhärtung und dauerhaftem Elastizitätsverlust führt.

Unterhalb von −30 °C neigt der Werkstoff zum Verhärten und Verspröden, wodurch die Dichtungselastizität deutlich sinkt.

Oberhalb von +200 °C beginnt die mechanische Festigkeit deutlich abzunehmen, und Werkstoffabbau kann auftreten.

Sehr gute Tieftemperatureigenschaften; behält auch unter kryogenen Bedingungen Zähigkeit.

Druckbelastbarkeit

Typischerweise geeignet für Wasseranlagen mit niedrigem bis mittlerem Druck im Bereich PN10 bis PN25.

Die Druckbelastbarkeit nimmt bei erhöhten Temperaturen deutlich ab.

Standard-Weichsitzkonstruktionen sind typischerweise für PN10 bis PN16 geeignet, etwa 1,0 bis 1,6 MPa.

Höhere Druckanwendungen erfordern Sitzkonstruktionen gegen Kaltfluss, also kriechbeständige Ausführungen.

Druck-Temperatur-Beziehung

Stark temperaturabhängig; Druckstufen müssen strikt den Druck-Temperatur-Kurven des Herstellers folgen.

Die Druck-Temperatur-Abhängigkeit ist relativ schwächer; Grenzen werden hauptsächlich durch Kaltfluss- beziehungsweise Kriechverhalten bestimmt.

Die oben genannten Temperatur- und Druckbereiche sind typische technische Referenzwerte für Wasseranwendungen. Tatsächlich zulässige Grenzen sind stets anhand der Konstruktionsparameter des Armaturenherstellers und veröffentlichter Druck-Temperatur-Kurven zu bestimmen.

Geeignete Wasserqualität für EPDM- und PTFE-Sitze

EPDM-Sitze für Absperrklappen

EPDM-Sitze wurden primär für Anwendungen in Wassersystemen entwickelt. Bei klar definierter Wasserzusammensetzung und kontrollierbaren Schwankungen bietet EPDM zuverlässige langfristige Dichtleistung.

Typische geeignete Wasserqualitäten sind:

  • Sauberes Wasser, Rohwasser und filtriertes Wasser
  • Kommunale Wasserversorgungs- und Entwässerungssysteme
  • Trinkwasser, bei Verwendung von EPDM-Werkstoffen mit entsprechenden hygienischen Zulassungen
  • Kühlwasser- und Umwälzwassersysteme, frei von Ölverunreinigungen
  • Neutrale Wassermedien, wie sie in Standard-Wasseraufbereitungsprozessen vorkommen

lug butterfly valve

PTFE-Sitze für Absperrklappen

PTFE-Sitze bieten außergewöhnliche chemische Stabilität und werden von Schwankungen der Wasserzusammensetzung weitgehend nicht beeinflusst. Dadurch eignen sie sich besonders für Systeme mit komplexer oder schwer vollständig kontrollierbarer Wasserqualität.

Typische geeignete Wasserqualitäten sind:

  • Wasser mit Desinfektionsmitteln wie Chlor oder Hypochloriten
  • Industriewasser mit chemischen Zusätzen
  • Reinstwasser und Prozesswasser
  • Systeme, in denen sich die Wasserzusammensetzung über verschiedene Betriebsphasen ändern kann

PTFE Butterfly valve

Schnellauswahl: EPDM oder PTFE?

EPDM wählen, wenn:

  • Einsatz in kommunaler Wasserversorgung, Brandschutz oder allgemeinen Wasseraufbereitungssystemen
  • Große Rohrdurchmesser und komplexe Einbaubedingungen vorliegen
  • Höhere Toleranz gegenüber Montageabweichungen und Kostenkontrolle wichtige Prioritäten sind

PTFE wählen, wenn:

  • Das Medium korrosiv oder chemisch aktiv ist
  • Niedriges Betätigungsmoment und langfristige Dichtstabilität entscheidend sind
  • Die Betriebsbedingungen klar definiert sind und Fertigungs- sowie Montagequalität kontrolliert werden

Sowohl EPDM- als auch PTFE-Sitze haben klar definierte Anwendungsgrenzen. Eine korrekte Sitzauswahl ist nicht nur ein Vergleich von Werkstoffeigenschaften, sondern eine umfassende Bewertung von Medienmerkmalen, Temperatur- und Druckbedingungen, Einbauumgebung und langfristigen Betriebsanforderungen.

Bei Union Valvewerden EPDM- und PTFE-Sitze bei Entwicklung und Fertigung von Absperrklappen entsprechend den tatsächlichen Bedingungen des jeweiligen Wassersystems ausgewählt und konfiguriert. Dieser Ansatz gewährleistet stabile und zuverlässige Dichtleistung im Langzeitbetrieb.

Wenn Sie eine Bestätigung für eine konkrete Anwendung wünschen, besprechen wir dies gerne weiter auf Basis Ihrer tatsächlichen Betriebsbedingungen.

 

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