Armaturennormen: Konstruktion, Flansche, Baulänge und Prüfung
In Armaturenanfragen oder technischen Spezifikationen finden sich häufig Anforderungen wie:
- Konstruktion: EN 593
- Baulänge: EN 558
- Flansche: EN 1092-2
- Prüfung: EN 12266-1
Für viele Einkäufer stellt sich zunächst die Frage:
Warum muss eine Armatur so viele unterschiedliche Normen erfüllen?
Tatsächlich handelt es sich dabei nicht um sich wiederholende Anforderungen. Jede Norm deckt einen anderen Teil der Armaturenspezifikation ab; zusammen ergeben sie eine vollständige technische Anforderung.
- Die Konstruktionsnorm legt fest, wie die Armatur auszulegen ist.
- Die Baulängennorm bestimmt die gesamte Einbaulänge der Armatur.
- Die Flanschnorm bestimmt, ob die Armatur ordnungsgemäß an die Rohrleitung angeschlossen werden kann.
- Die Prüfnorm legt fest, wie Druckfestigkeit und Dichtheit der Armatur zu prüfen sind.
Wer den Regelungsbereich der einzelnen Normen kennt, kann schnell beurteilen, ob eine Armaturenspezifikation vollständig ist. Zugleich lassen sich unnötige technische Rückfragen sowie spätere Anschluss- oder Montageprobleme vermeiden.
Welche Hauptarten von Armaturennormen gibt es?
Die in Projekten der Industriearmaturentechnik gebräuchlichen Normen lassen sich im Allgemeinen in folgende Kategorien einteilen:
|
Normenkategorie |
Hauptregelungsbereich |
Gängige Beispiele |
|
Konstruktions- / Produktnorm der Armatur |
Anforderungen an Aufbau, Konstruktion und Leistungsmerkmale der Armatur |
API 609, EN 593, API 600, API 594 |
|
Baulängennorm |
Baulängen zwischen Flanschflächen bzw. Anschlussenden |
EN 558, ISO 5752, ASME B16.10 |
|
Flanschnorm |
Flanschabmessungen, Schraubenbohrungen, Dichtflächen und Anschlussanforderungen |
EN 1092, ASME B16.5, ASME B16.47 |
|
Prüfnorm |
Druckprüfungen, Sitzleckage und Abnahmekriterien |
API 598, EN 12266-1, ISO 5208 |
Was ist eine Konstruktionsnorm für Armaturen?
Eine Konstruktionsnorm für Armaturen, auch Produktnorm genannt, definiert die grundlegenden Anforderungen, die eine Armatur bei Auslegung und Fertigung erfüllen muss. Je nach Armaturenart kann sie unter anderem Aufbau, Werkstoffe, Druckstufen und grundlegende Leistungsanforderungen umfassen.
Für unterschiedliche Armaturenarten gelten in der Regel unterschiedliche Konstruktionsnormen. Zum Beispiel:
|
Armaturenart |
Gängige Konstruktions- / Produktnorm |
|
Absperrklappe |
API 609, EN 593 |
|
Absperrschieber |
API 600 |
|
Rückschlagarmatur |
API 594 |
|
Kugelhahn |
API 608, ISO 17292 |
Zu beachten ist, dass die Konstruktionsnorm nicht sämtliche Maß- und Prüfanforderungen festlegt. In konkreten Projekten werden Baulängennorm, Flanschnorm und Prüfnorm üblicherweise separat angegeben.
Was ist eine Flanschnorm für Armaturen?
Eine Flanschnorm für Armaturen definiert die Maß- und Druckstufenanforderungen, die beim Anschluss eines Armaturenflansches an einen Rohrleitungsflansch einzuhalten sind.
Je nach Norm werden unter anderem Flanschaußendurchmesser, Anzahl und Durchmesser der Schraubenbohrungen, Lochkreisdurchmesser (PCD), Flanschdicke, Ausführung der Dichtfläche und Druckstufe festgelegt.

Zu den gängigen Flanschnormen für Armaturen gehören:
|
Norm |
Typischer Anwendungsbereich |
|
EN 1092-1 |
Stahlflansche |
|
EN 1092-2 |
Flansche aus Gusseisen und Sphäroguss |
|
ASME B16.5 |
ASME-Flanschsystem für NPS 1/2–24 |
|
ASME B16.47 |
ASME-Flansche für große Nennweiten |
|
JIS B 2220 |
JIS-Flanschsystem |
- Im EN-System sind unter anderem die Druckstufen PN10, PN16, PN25 und PN40 gebräuchlich.
- Im ASME-System sind unter anderem die Druckklassen Class 150, 300 und 600 gebräuchlich.
Dabei ist besonders zu beachten:
PN16 und Class 150 sind nicht ohne Weiteres austauschbar.
Daher reicht es bei der Beschaffung von Armaturen in der Regel nicht aus, lediglich DN/NPS und PN/Class anzugeben. Die genaue Flanschnorm verhindert Probleme wie versetzte Schraubenbohrungen oder nicht kompatible Flanschabmessungen nach Anlieferung auf der Baustelle.
Was ist eine Baulängennorm?
Die Baulänge einer Armatur ist das Einbaumaß zwischen ihren beiden Anschlussflächen.

Zu den gängigen Baulängennormen gehören:
|
Norm |
Hauptanwendungsbereich |
|
EN 558 |
Europäische Norm für zahlreiche Arten von Industriearmaturen |
|
ISO 5752 |
Internationale Norm, die hauptsächlich für metallische Flanscharmaturen verwendet wird |
|
ASME B16.10 |
Üblicherweise für Armaturen in Rohrleitungssystemen nach ASME / ANSI verwendet |
Die Baulänge kann von Armaturenart, Nennweite, Druckstufe, Bauform und der jeweiligen Normenreihe abhängen.
Die EN 558 enthält beispielsweise verschiedene Baulängenreihen, darunter:
- EN 558 Reihe 14
- EN 558 Reihe 15
- EN 558 Reihe 20
- EN 558 Reihe 48
Selbst bei gleicher Nennweite und Druckstufe können zwei Armaturen unterschiedliche Einbaulängen aufweisen, wenn sie verschiedenen Baulängenreihen entsprechen.
Beispiel:
Absperrklappe DN300 PN16
Fordert ein Projekt EN 558 Reihe 14, während eine andere Armatur nach einer abweichenden Reihe gefertigt wird, können die Baulängen trotz identischer Ausführung DN300 PN16 voneinander abweichen.
Dies ist insbesondere beim Austausch von Armaturen, bei Instandhaltungsprojekten und bei Anlagen mit bereits festgelegtem Rohrleitungsabstand von Bedeutung.
Stimmt die Baulänge nicht überein, kann eine direkte Montage vor Ort trotz korrekter Nennweite, Druckstufe und Flanschabmessungen unmöglich sein.
Bei der technischen Projektklärung sollte daher zunächst Folgendes geprüft werden:
DN + PN/Class + Flanschnorm
auch Folgendes zu bestätigen:
Baulängennorm / Baulängenreihe
Was ist eine Prüfnorm für Armaturen?
Eine Prüfnorm für Armaturen legt fest, welchen Druck- und Dichtheitsprüfungen eine Armatur vor Verlassen des Werks zu unterziehen ist und wie die Prüfergebnisse zu bewerten und abzunehmen sind.
Zu den gängigen Prüfnormen für Armaturen gehören:
|
Norm |
Hauptanwendungsbereich |
|
API 598 |
Üblicherweise für Industriearmaturen verwendet, die nach API- / ASME-Normen ausgelegt sind |
|
EN 12266-1 |
Gängige europäische Norm für die Druckprüfung von Armaturen |
|
ISO 5208 |
Internationale Norm für die Druckprüfung von Industriearmaturen |
Prüfnormen legen üblicherweise Anforderungen an Gehäuseprüfung, Sitzdichtheitsprüfung, Prüfdruck, Haltezeit, Prüfmedium, zulässige Leckage und Abnahmekriterien fest.
Zwei gängige Arten von Armaturenprüfungen
1. Gehäuseprüfung
Die Gehäuseprüfung dient vor allem dem Nachweis, dass Gehäuse, Oberteil und andere drucktragende Bauteile dem festgelegten Prüfdruck sicher standhalten, ohne unzulässige Leckage oder strukturelles Versagen.
2. Sitzdichtheitsprüfung
Mit der Sitzdichtheitsprüfung wird nachgewiesen, dass die Armatur in geschlossener Stellung die geforderte Dichtheit erreicht.
Die zulässige Leckrate kann je nach Prüfnorm und Armaturenart variieren.
Beispielsweise kann für bestimmte weichdichtende Armaturen Folgendes gefordert sein:
Keine sichtbare Leckage / null sichtbare Leckage
Bei bestimmten metallisch dichtenden Armaturen kann eine definierte Leckage zulässig sein, sofern sie innerhalb der Grenzwerte der anzuwendenden Norm liegt.

Welche Normen sind bei der Beschaffung einer Armatur anzugeben?
Um unklare technische Anforderungen und Montageabweichungen vor Ort zu vermeiden, sollten bei einer Anfrage (RFQ) oder der Prüfung einer Armaturenspezifikation mindestens folgende Angaben bestätigt werden:
|
Merkmal |
Beispiel |
|
Armaturenart |
Absperrklappe |
|
Nennweite |
DN300 |
|
Druckstufe |
PN16 |
|
Konstruktionsnorm |
EN 593 |
|
Baulänge |
EN 558 Reihe 14 |
|
Flanschnorm |
EN 1092-2 |
|
Prüfnorm |
EN 12266-1 |
|
Gehäusewerkstoff |
Sphäroguss |
|
Scheibenwerkstoff |
Edelstahl |
|
Dichtungswerkstoff |
EPDM |
Sind die ursprünglichen Normen bei einem Armaturenaustausch nicht eindeutig, sollten zusätzlich die tatsächliche Baulänge, die Flanschabmessungen, die Typenschilddaten oder Zeichnungen der vorhandenen Armatur bereitgestellt werden. Damit lässt sich die Einbaukompatibilität genauer bestätigen.
Unterschiedliche Armaturennormen regeln unterschiedliche Anforderungen, darunter Konstruktion, Baulängen, Flanschanschlüsse und Prüfungen. Die Kenntnis dieser Unterschiede erleichtert die Beurteilung, ob eine Spezifikation vollständig ist, und macht die tatsächlichen technischen Abweichungen verschiedener Angebote transparent.
Daher sollten in einer Anfrage neben Nennweite und Druckstufe auch Konstruktionsnorm, Baulängennorm, Flanschnorm, Prüfnorm und die wesentlichen Werkstoffe angegeben werden.
Union Valve kann das Datenblatt, die Zeichnung oder die Spezifikation der vorhandenen Armatur des Kunden prüfen und bei der Bestätigung der geeigneten Normen und Armaturenkonfiguration unterstützen. So erhält das Projekt eine präzisere technische Grundlage. Bei weiteren Fragen können Sie uns kontaktieren.
Verwandte Fachartikel:
- API 600 und API 602: Armaturennormen und Unterschiede
- 6 gängige Flanscharten in Rohrleitungssystemen
- Armaturenanschlussarten: 8 Endanschlüsse und Auswahlkriterien
- Spezifikationen von Absperrklappen richtig lesen
- Armaturensymbole im P&ID: Absperrklappe, Rückschlagarmatur, Schieber und Kugelhahn




